Ethnographie und Herrnhuter Mission

im Völkerkundemuseum Herrnhut

ein Raum mit Exponaten
© SKD, Foto: Hans Christian Krass

Völkerkundemuseum Herrnhut

Das Herrnhuter Völkerkundemuseum vereint Ethnographie und Missionsgeschichte. Die Grundlage der Sammlung bilden Objekte, welche die Missionare der Herrnhuter Brüder-Unität von ihren Reisen zu verschiedenen Völkern seit 1732 mitbrachten.

Sonderausstellung
09.04.—27.11.2022

Aufbruch. Netz. Erinnerung — 300 Jahre Herrnhut

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© Heimatmuseum der Stadt Herrnhut

Aktuelle Termine

  • In den kommenden Jahren soll die seit 2003 präsentierte Dauerausstellung des Völkerkundemuseums umgestaltet werden. Seit einigen Monaten arbeiten wir bereits an einem neuen Ausstellungskonzept. In unseren Teehausgesprächen möchten wir dies nicht nur mit wechselnden Akteuren öffentlich diskutieren, sondern auch mit Ihnen – den Bürgerinnen und Bürgern unserer Region – darüber ins Gespräch kommen. Wir laden Sie ein, unseren Umgestaltungsprozess mit Ihren Fragen, Wünschen und Kommentaren zu begleiten und freuen uns auf anregende Impulse.

     

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    • Dr. Frank Usbeck, Kustos Amerika-Sammlung

      Mit einer aktualisierten Betrachtung der Geschichte der Mission, unseres Museums und seiner Sammlung wollen wir einen Ausblick auf die in 2023/24 eröffnende neue Dauerausstellung und den derzeitigen Forschungsstand geben. Dafür haben wir sechs „Interventionen“, sowie einige künstlerische Interpretationen auf den beiden Etagen eingerichtet. Sie befassen sich mit den historischen Netzwerken des Sammelns und Handels mit ethnografischen Objekten, mit der Musiktradition in den Missionen, sowie mit der Rolle der Herrnhuter Mission in Sklaverei, Kolonialismus und Wissenschaft.

      • Herrnhuter Mission und die Sammlung menschlicher Überreste

        Thomas Ruhland, InterInterdisziplinäres Zentrum für Pietismusforschung

        Seit 1750 etablierte sich im Rahmen der weltweiten Herrnhuter Mission eine ausgeprägte Sammeltätigkeit, welche bis weit ins 20. Jahrhundert andauerte. Diese Praxis förderte die Ausstrahlung und Wahrnehmung der Herrnhuter Brüdergemeine und führte zu einer engen Verbindung mit den damaligen Wissenschaften. Objekte aus allen drei Reichen der Natur und ebenso vielfältige Ethnographika wurden im Naturalienkabinett der Brüdergemeine erst in Barby, später in Niesky und anschließend im Museum in Herrnhut präsentiert. Derartige Sammlungsgegenstände wurden aber auch in großen Umfang verkauft und Forschern wie beispielsweise Johann Friedrich Blumenbach, Alexander von Humboldt oder Karl Ernst von Baer zur Verfügung gestellt.

        Dieser Vortrag thematisiert die Sammlung menschlicher Überreste im Dienste der Anthropologie des 19. Jahrhunderts und beleuchtet damit eine kaum bekannte Seite der Verbindungen der Herrnhuter Brüdergemeine zur Wissenschaft. Dabei wird der Frage nachgegangen, in welchen Umfang, aus welchen Motiven sowie in welcher Art und Weise Mitglieder der Herrnhuter Brüdergemeine menschliche Schädel für die wissenschaftliche Forschung in Europa erwarben und weiterleiteten oder in ihren eigenen Sammlungen aufbewahrten."

         

        Dekolonisierung, Restitution und Repatriierung

        Neue Plattform zu Dekolonisierung, Restitution und Repatriierung

        Die Sächsischen Völkerkundemuseen veröffentlichen Plattform zu Dekolonisierung und laden zum Dialog ein.

        © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Miriam Hamburger

        Historische Sammlungsdokumentation online

        Auf einer neuen online Plattform schaffen die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsens (SES) einen öffentlichen Zugang zu den historischen Dokumenten der sächsischen Völkerkundemuseen.

        © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Juliane Heinze

        Dokumente und Mitteilungen

        Dokumente zu DRR

        Am 29. April 2021 haben die sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch und die Direktorin des GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Léontine Meijer-van Mensch, an der Gesprächsrunde der Kulturstaatsministerin Monika Grütters zur Restitution von Benin-Objekten teilgenommen. Das politische Signal zur Rückgabe der geraubten Objekte wurde gesetzt. Dazu erklärt Kulturstaatsministerin Monika Grütters:

        „Wir stellen uns der historischen und moralischen Verantwortung, Deutschlands koloniale Vergangenheit ans Licht zu holen und aufzuarbeiten. […] Ich bin froh und dankbar, dass wir uns auf das gemeinsame Ziel verständigen konnten, eine abgestimmte Haltung in Deutschland zu entwickeln und zu einer gemeinsamen Verständigung mit der nigerianischen Seite zu gelangen. Neben größtmöglicher Transparenz werden vor allem substantielle Rückgaben angestrebt. So möchten wir zur Verständigung und zur Versöhnung mit den Nachkommen der Menschen beitragen, die in der Zeit des Kolonialismus ihrer kulturellen Schätze beraubt wurden. Wir planen erste Rückgaben im Verlauf des Jahres 2022.“

        Im GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig und auch im Museum für Völkerkunde Dresden befinden sich Objekte aus dem ehemaligen Königreich Benin. Die Restitution von geraubten Objekte ist nicht nur eine ethische und moralische Pflicht, sondern auch der Beginn eines transnationalen Austausches, um die Auswirkungen des Kolonialismus bis heute als Teil einer gemeinsamen Geschichte zu erzählen.

        Zur Erklärung der Bundesregierung

        Benin-Bestände der SKD online

        Anlässlich der Jahreskonferenz 2019 der Direktor/innen der Ethnologischen Museen im deutschsprachigen Raum in Heidelberg wurde am 6.5.2019 die folgende Stellungnahme verabschiedet.

        Zum Dokument der Heidelberger Stellungnahme

        Die Benin Dialogue Group (BDG) wurde im Jahr 2010 in Wien ins Leben gerufen und vereint kulturpolitisch Verantwortliche auf Staats- und Regionalebene, Museumsvertreter und Vertreter vom Royal Court of Benin City aus Nigeria mit europäischen Museumvertretern und Afrika-Kuratoren aus Wien, Berlin, Dresden/Leipzig, London, Leiden und Stockholm, Hamburg, Stuttgart, Oxford und Cambridge. Die genannten europäischen Sammlungen beherbergen wichtige Objekte und Kollektionen aus dem historischen Benin-Reich in Nigeria. Allen Beteiligten ging es auf informeller Ebene vor allem auch darum, ein freundschaftliches und vertrauensvolles Klima aufzubauen. Zu den erklärten Zielen der Arbeit in der BDG gehörte von Anfang an die vollständige Öffnung der Sammlungen, Sammlungsdigitalisierung und wissenschaftlicher Austausch. Die Erstellung eines digitalen Inventariums von Benin-Objekten, die in Museen der Welt bewahrt werden, dient kooperativen Projekten mit Austausch, aber auch mit Rückführung von Objekten nach Benin City, um Ausstellungen in einem neu geplanten musealen Zentrum der Stadt in den Jahren 2021/22 zu realisieren.

        Pressemitteilung des Treffens der Benin Dialogue Group

        Die Völkerkundemuseen in Leipzig, Dresden und Herrnhut, die seit 2010 Teil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sind, beschäftigen sich seit Jahren mit der Aufarbeitung der eigenen kolonialen Vergangenheit. Dekolonisierung richtet sich gegen koloniale Diskriminierungsstrukturen, sowohl körperlich spürbare als auch jene, die unsere Denkweisen beeinflussen. Sie ist demnach ein aktiver Prozess, der allen offensteht. Die neue Plattform auf der Webseite www.skd.museum/dekolonisierung lädt zum Dialog ein und schafft mehr Transparenz in diesem ethnologischen Diskurs.

        Im ersten Abschnitt „Aktuelle Projekte“ finden sich Hintergründe zu abgeschlossenen und laufenden Projekten der drei Museen mit internationalen Kollaborationspartner*innen und -gruppen. Unter der Rubrik „Anfragen“ können sich Besucher*innen der Webseite über den Ablauf von Restitutions- und Repatriierungsanfragen zu Sammlungsbeständen und Vorfahren (menschliche Gebeine) sowie zu den darauffolgenden Forschungsprojekten informieren. Der Bereich „FAQ“ (Frequently Asked Questions) stellt grundlegende Fragen im Zusammenhang mit Dekolonisierung, Restitution und Repatriierung und bietet Erklärungen zum speziellen Vokabular der Webseite.

        Léontine Meijer-van Mensch: „Der ethnologische Diskurs findet statt, er ist gegenwärtig. Es ist ein Prozess, der noch viel gründliche Forschung verlangt. Wir müssen über unsere eigene ambivalente Vergangenheit nachdenken und darüber sprechen. Endet zum Beispiel ein Projekt, wenn wir die Überreste eines Mitglieds einer Gemeinschaft zurückgeben, oder beginnen wir ein langfristiges Engagement und beziehen nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart und Zukunft mit ein?“

        Zur Pressemitteilung

        Die Benin Dialogue Group hat sich am 25. Oktober 2021 im British Museum in London getroffen. Den Vorsitz übernahmen Professor Abba Tijani (Geschäftsführer der National Commission for Museums and Monuments, Nigeria), Seine königliche Hoheit Prinz Aghatise Erediauwa (Königshof Benin) und Dr. Barbara Plankensteiner (Museum am Rothenbaum, Hamburg (MARKK)).
        Die Teilnehmenden waren u.a. Vertreter*innen von Museen und Institutionen in Nigeria, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Österreich und Schweden. Der Geschäftsführer der National Commission for Museums and Monuments (Nigeria), Seine Exzellenz Edo-Gouverneur Godwin Obaseki, sowie Vertreter*innen des Beniner Königshofes (stellvertretend für Seine Majestät Omo N'Oba N'Edo, Uku Akpolokpolo und Ewuare II, Oba von Benin), und der geschäftsführende Direktor des Legacy Retsoration Trust, Phillip Ihenacho, bereicherten das Treffen durch Vorträge und Präsentationen, die allesamt über die Ausrichtung und bisherigen Ergebinsse aktueller Initiativen in Benin City informierten. Die Mitglieder diskutierten auf Benin City fokussierte zukünftige Initiativen und tauschten sich über aktuelle Aktivitäten aus, was auch nationale und institutionelle Entwicklungen bezüglich Rückgaben und Restitutionen beninischer Güter nach Nigeria mit einschloß.
        Zusätzlich wurde die Gruppe auf den aktuellen Stand bezüglich des Digital Benin-Projekt gebracht, welches darauf abzielt, weltweit verstreute Objekte aus dem Königreich Benin auf einer gesammelten digitalen Platform zu vereinen. Alle Museen, die durch ihre jeweiligen Vertreter*innen in der Benin Dialogue Gruppe repräsentiert sind, nehmen an diesem Projekt teil und sind so an einer der am längsten anvisierten Zielsetzungen der Gruppe, den weltweiten Zugang zu Informationen über beninische Sammlungen zu schaffen, beteilgt. Die Gruppe diskutierte ebenfalls über Vorstöße zur Weiterentwicklung der Museumslandschaft in Benin.

        Die Benin Dialogue Group trifft sich Ende 2022/2023 entweder in Benin City, Nigeria oder in Hamburg, Deutschland.

        Zur vollständigen Pressemitteilung (englisch)

        Das Programm zum Download

        Juli - September 2022

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        © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Johanna Funke

        Expeditionen ins Unbekannte

        1732 begann die Missionstätigkeit der Evangelischen Brüder-Unität, das Sammeln erster völkerkundlicher Objekte durch Herrnhuter Missionare ist für das Jahr 1740 nachgewiesen. 

        Zur Sammlungsgeschichte

        Ausstellung Kalmyken
        Blick in die Dauerausstellung, Kalmyken, Foto: Ch. Krass

        Aus unserer Online Collection

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